Nord

Nord, Altona, Hamburg

Aktuelles zum Bahnhof Altona - Mitgliederinformation des LV Nord

Regional- und Fernbahnhof Altona:

Im Februar hatten wir Sie über die Verständigung mit Bahn und Stadt zum Regional- und Fernbahnhof Altona informiert. Als Voraussetzung für die Zustimmung des VCD Nord zum Vergleich wurde der Nachweis der Leistungsfähigkeit aufgeführt. Am 27.03. wurde jetzt das Gutachten vorgestellt und das Zertifikat erteilt. Kommende Woche wird das Ergebnis des Prüfprozesses veröffentlicht. Wir wollen Sie im Vorfeld über diesen wichtigen Schritt informieren.

Leistungsfähigkeit des Regional- und Fernbahnhofs Altona:

Der vom VCD Nord beklagte Planfeststellungsbeschluss sieht 25 Züge in der Spitzenstunde vor. Dies ist in Hinblick auf die notwendige Stärkung der Schiene zu wenig und wir hatten deutliche Zweifel an der Kapazität des Bahnhofs geäußert. Der Bahnhof darf kein Nadelöhr sein und muss auch für  Erweiterungen aufwärts kompatibel umgesetzt werden.

Unter dem Druck der Verhandlungen hat sich die Deutsche Bahn verpflichtet, den Bahnhof mit einer Kapazität von nunmehr 31 Zügen zu versehen. Die Planung wurde dafür u.a. um 18 zusätzliche Weichen erweitert, um parallele Ein- und Ausfahrten zu ermöglichen. Das nahmen wir mit Genugtuung zur Kenntnis, mussten aber sichergehen und  entschieden uns für eine zweigleisige Prüfung:

Wir fragten beim Bundesministerium für Verkehr nach, ob die Planungen mit den Vorgaben der Bundesregierung zur Verdopplung der Reisendenzahlen, zum Deutschlandtakt und mit Überlegungen zum viergleisigen Ausbau der Verbindungsbahn bei Tunnelführung der S-Bahn in Einklang stehen. Der Beauftragte der Bunderegierung für den Schienenverkehr, Herr Enak Ferlemann, schreibt dem VCD:

„Da mehr Verkehr auf die umweltschonende Schiene verlagert werden soll, wurde eine Steigerung der Leistungsfähigkeit des neuen Bahnhofs Hamburg-Altona mit einer Abwicklung von bis zu 31 Zügen in der Spitzenstunde bei guter Betriebsqualität zugesichert. Dadurch wird gewährleistet, dass die zu erwartende Steigerung des Schienenverkehrs auch mit dem neuen Bahnhof bewältigt werden kann. Der neue Bahnhof Hamburg-Altona liegt den Planungen zum Deutschlandtakt zugrunde und verfügt über ausreichende Kapazitäten. Für den S-Bahntunnel sind keine baulichen Vorleistungen im Bereich des neuen Bahnhofs Hamburg-Altona notwendig.“

Wir forderten neben der politischen eine gründliche fachliche Bewertung der Leistungsfähigkeit und schlugen im Verhandlungskreis das zu beauftragende Institut SMA vor. Es war uns sehr wichtig, einen anerkannten und unabhängigen Gutachter zu gewinnen, der u.a. für die Planung des Deutschland- und des SH-Taktes verantwortlich ist. SMA prüfte die vorliegende Planungen, rechnete selbst und kommt zu folgendem Ergebnis:

„Der geplante neue Bahnhof weist auch dank vieler paralleler Fahrmöglichkeiten sehr gute Voraussetzungen fu?r eine hohe Leistungsfa?higkeit aus. Alle prognostizierten Zugfahrten sowie alle Abstell- und Bereitstellungsfahrten sind richtlinienkonform konfliktfrei darstellbar. Das Testat für die von der DB Netz AG durchgeführte Herangehensweise und Fahrplankonstruktion für den Bahnhof Altona mit 31 Zügen in der Spitzenstunde wird erteilt.“

Verkehrs- und Eisenbahningenieure des VCD (Bund und Land) waren in den Prozess eng eingebunden. Aus unserer Sicht ist der Bahnhof Altona politisch abgesichert und seine Leistungsfähigkeit hinreichend nachgewiesen.

Fazit:

Unsere vor mehr als zwei Jahren formulierte Kritik an Umfang und Tiefe der Planung erwies sich als berechtigt.
Auch bestätigte der anschließende Faktencheck unsere Befürchtung eines schlechteren Bahnhofs bei reinem Ersatz Eins-zu-Eins. Dem konnten wir so keinesfalls zustimmen.

Recht zu haben hilft aber nicht immer. So war weder auf Bundes- noch auf Landesebene (Schleswig-Holstein und Hamburg) noch beim Bezirk eine nennenswerte Stimmung „Pro Bahnhof Altona“ zu erzeugen. Vielmehr sieht der neue Verkehrsvertrag zur RB 71, der im Stundentakt zwischen Wrist und Itzehoe nach Altona verkehrenden Linie, eine Verlegung zum Hamburger Hauptbahnhof vor. Der Leistungsbesteller, das Land Schleswig-Holstein begründet dies mit der größeren Bedeutung von Hauptbahnhof und Hamburger Innenstadt. Damit verliert Altona rund 40% aller Fahrgäste im Regional- und Fernverkehr. Daran kann auch die Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss nichts ändern.

So mussten wir leider erkennen, dass unser vorrangiges Ziel, die Rolle der Fahrgäste und das System Schiene insgesamt zu stärken, nicht über das erklärte Ziel „Erhalt des Bahnhofs Altona“ zu erreichen war.

Aber die erarbeiteten Ergebnisse des Faktenchecks, die Klage und die anstehende Wahl eröffneten uns ein beachtliches Verhandlungspotenzial, das wir im Verständigungspapier (siehe Sondernewsletter 1/2020 auf unserer Homepage) weitestgehend umsetzen konnten. Nachteile durch die Verlegung werden überkompensiert.

Wir haben die Klage gegen einen vor Gericht geschlossenen Vertrag mit Stadt und Bahn nebst politischer Zustimmung in der Hamburger Bürgerschaft eingetauscht. Die Vereinbarung steht und lässt sich zukünftig durch anderslautende politische Beschlüsse nicht aufheben.

Auch bei positivem Ausgang des Rechtsstreits wären die in der Verständigung erzielten Ergebnisse (u.a. Verpflichtung von 31 Zügen) nicht annähernd erreichbar gewesen. Wir hatten aber auch Sorge, dass bei Aufheben des Planfeststellungsbeschlusses der neue Bahnhof verhindert wird, die  Regionalzüge den Bestandsbahnhof aber auch nicht mehr bedienen und ohne Halt an Altona vorbeifahren. Dieses Risiko durften wir nicht eingehen.

Wir hätten aber auch verlieren können. Dann wäre der Planfeststellungsbeschluss umgesetzt worden, ohne Verständigungspapier, ohne hinreichende Kapazität für zukünftige Ausbauten. Aus Gerichtskreisen war zu erfahren, dass die von uns mit Recht beklagten Planungsdefizite durch die Erkenntnisse des Faktenchecks einschließlich des Gutachtens zur Leistungsfähigkeit deutlich gemindert wurden. Der Ausgang des Rechtsstreits war somit offen.

Für den Kompromiss mussten sich die Verhandlungspartner Bahn, Stadt und VCD Nord bewegen. Unterm Strich werden wir am neuen Bahnhof 50% mehr Fahrgäste gegenüber heute am bestehenden und 25% mehr ÖPNV-Nutzer in Altona und Eimsbüttel vertraglich zugesichert erreichen. Das Leistungsangebot in Altona und in weiten anderen Teilen der Stadt wird u.a. durch Nutzung der Güterumgehungsbahn deutlich verbessert, der Hauptbahnhof entlastet  und die Leistungsfähigkeit erstmalig vertraglich gesichert. Das ist weitaus mehr, als wir ursprünglich erhofften… und wohl das Maximum dessen, was erreichbar war.

Kommen Sie bei Fragen zu Details und Hintergründen gerne auf uns zu. Aus gegebenem Anlass bitten wir um Kontaktaufnahme per Mail.

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