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Pressemitteilung: Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) kritisiert Busangebote in Oberbillwerder

Zwar ist eine Anbindung des Neubaugebietes „Oberbillwerder“ durch die S-Bahnstation „Hamburg-Allermöhe“ gegeben, das war es aber auch. Die Angst, vor allem der Bewohner aus Allermöhe, vor einem steigenden Autoverkehr wächst. Die südlich an Allermöhe angrenzende Autobahn A25 lädt dazu ein. Im Sinne einer nachhaltigen und emissionsärmeren Mobilität müssen jedoch andere Anreize wie Radschnellwege und eine attraktive und zweckmäßige ÖPNV- Anbindung im Mittelpunkt stehen.

Der Planungsprozess für das Neubaugebiet Oberbillwerder im Hamburger Südosten hat konkrete Formen angenommen. Am 15.Juni 2018 wurde, im Forum Gymnasium Allermöhe, der Siegerentwurf des dänisch-niederländisch-deutschen Planungsteams vorgestellt. Aus diesem Siegerentwurf soll nun bis Ende 2018 der Masterplan für das Neubaugebiet entwickelt werden. Er dient später als Arbeitsplan für den B-Plan. Im Masterplan wird ein baulich räumliches Konzept bzw. konkret die Gestaltung und Erschließung des Gebietes, sowie konkrete Ziele dargelegt. Zudem stellt er ein Bindeglied zwischen dem Flächennutzungsplan, der nach dem Masterplan entwickelt wird, und den in letzter Instanz rechtsverbindlichen B-Plänen dar.

 

Das in den Planungen gesteckte Ziel, den MIV-Anteil in Oberbillwerder auf 20% zu begrenzen, ist ambitioniert, aber für eine nachhaltige und emissionsärmere Mobilität ein Schritt in die richtige Richtung. Im Vergleich zum Modalsplit der Gesamtstadt Hamburg stellt dies eine Reduzierung des MIV-Anteils um knapp die Hälfte dar. Ob dieses ambitionierte Ziel wirklich umgesetzt werden kann, ist fraglich. Die bisherigen Planungen werfen Fragen auf. Denn in 2,5 km Fahrstrecke und nur etwa 5 Minuten Fahrzeit ist der Autofahrer auf der A25 (Auffahrt „HH-Neuallermöhe-West“). Die A25 grenzt nämlich direkt südlich an das Gebiet Allermöhe. Aufgrund dieser perfekten Anbindung besteht die durch die Bewohner Allermöhes geäußerte Gefahr eines verstärkten Autoverkehrs und (der Entwicklung Allermöhes als reine „Autodurchgangsstation“, um schnellstmöglich auf die Autobahn zu gelangen). Diesem muss entgegen gewirkt werden. Zumal durch eine schnelle und attraktive ÖPNV-Anbindung auch der MIV-Anteil reduziert werden kann. Eine daran anknüpfende Verbindung an das Veloroutennetz bzw. der Aufbau eines Radschnellweges wird den Autoverkehr weiter zurückdrängen.

 

Grundsätzlich ist die Idee einer Anbindung eines Neubaugebietes an eine S-Bahnstation eine gute Sache. Darüber hinaus muss jedoch im Sinne eines attraktiven ÖPNVs auch eine attraktive Busverbindung durch das Gebiet selber, aber auch zu weiteren Schnellbahnstationen gewährleistet werden. Deswegen sollte die bisher in Allermöhe fahrende Buslinie 12 in das Neubaugebiet Oberbillwerder verlängert werden oder eine neue Buslinie entstehen. Dies soll sich derart gestalten, dass die neuen Bewohner im Einzugsbereich von S-Bahnstationen von 600m und bei Bushaltestellen von 400m liegen. Im Sinne der Denkweise einer wachsenden Metropoloregion Hamburg, die jedes Jahr eine durchschnittliche Bevölkerungszunahme von 10.000 Einwohnern aufweist, sollte nicht nur eine südliche, sondern auch eine nördliche ÖPNV-Anbindung hin zur U-Bahnstation „Mümmelmannsberg“ und dem Stadtteil Billstedt sichergestellt werden. Dies würde auch eine schnellere Anbindung des Hamburger Nordens bzw. Nordostens gewährleisten, da bei einer Fahrt mit der S-Bahn Richtung Hamburger Zentrum ein Umstieg erst ab der Haltestelle „Berliner Tor“ möglich ist. Die bisher schnellste Variante einer ÖPNV-Verbindung zwischen der S-Bahnstation „Hamburg-Allermöhe“ und der U-Bahnstation „Mümmelmannsberg“ besteht durch die S-Bahn zum Bergedorfer Bahnhof und dann weiter mit der Buslinie 12 nach „Mümmelmannsberg“. Diese Fahrt nimmt 10 km Strecke und etwas über 30 Minuten Zeit in Anspruch.

Umso wichtiger wäre deswegen eine schnellere Anbindung der U-Bahn-Station durch eine verlängerte Buslinie oder die Integration einer neuen Buslinie durch den Stadtteil Oberbillwerder mit der Weiterführung über die Straße „Billwerder Billdeich“ hin zum „Ladenbeker Furtweg“, welcher den Bus weiter auf die B5 „Bergedorfer Straße“ führt und über die „Kandinskyallee“ das Ziel „Mümmelmannsberg“ erreicht. Diese Route würde ausgehend vom Mittelpunkt des Neubauprojekt Oberbillwerders eine Strecke von 6,7km und lediglich 15min Zeit in Anspruch nehmen. Dies stellt die effizienteste und effektivste Variante dar, um eine schnelle und attraktive ÖPNV-Netzanbindung zu gewährleisten. Zudem spricht sich der VCD für eine regelmäßige Busverbindung in den Gebieten Bergedorf, Oberbillwerder, Lohbrügge und Boberg aus, um für die Bewohner rund um Oberbillwerder eine attraktive ÖPNV-Anbindung zu schaffen.

Neben der ÖPNV-Anbindung sollte auch auf eine attraktive und leistungsfähige Fahrradinfrastruktur wertgelegt werden. Dahin gehend sind die Planungen schon etwas fortgeschrittener. Der Bau eines Radschnellweges auf bzw. an der bisher festgelegten Veloroute 9 von Oberbillwerder/ Bergedorf bis zum „Alten Landweg“ in Billbrook ist dabei im Interesse des VCDs. Damit auch dieser Radschnellweg von Bergedorf/ Oberbillwerder bis ins Hamburger Zentrum gewährleistet werden kann, muss beim angedachten Radschnellweg bei der einzigen zu kreuzenden Straße „Mittlerer Landweg“ eine für Fahrradfahrer angenehme und zweckmäßige Überquerungsmöglichkeit gegeben sein. Ein Kreisverkehr, eine Überführung oder eine bevorzugt auf Fahrradfahrer bestehende Ampelschaltung mit Kontaktschleifen stellen Möglichkeiten dar, die zu diskutieren sind.

Die Weiterführung dieser Radverkehrsinfrastruktur würde, an der Elbe entlang, in Form der Veloroute 9 Richtung Rathausmarkt / Hauptbahnhof von Statten gehen. Der weitere Velorouten 9-Abschnitt müsste weiter fahrradfreundlicher gestaltet werden, damit auch weiter attraktive Anreize für eine emissionsarme Mobilität wie das Fahrradfahren geschaffen werden. Sinnvoll erscheint deswegen auch die Anbindung an den Radschnellweg bzw. die bisherige Veloroute 9 südlich Oberbillwerders, aber auch an die Veloroute 8 nördlich des Gebietes. Deswegen müsste auch im Stadtteil und darüber hinaus eine attraktive Fahrradinfrastruktur geschaffen werden.

Diese zwei genannten Vorschläge für ein attraktives Fahrrad- und ÖPNV-Netz für Oberbillwerder sind notwendige Maßnahmen, die das angestrebte Ziel eines 20 %igen MIV-Anteils für den neuen Stadtteil verwirklichen lassen und somit auch die Angst der heutigen Bewohner von Allermöhe vor einem erhöhten Pkw-Verkehrsaufkommen nimmt.

PDF Download der Pressemitteilung.

 Rückfragen an die Geschäftsstelle unter geschaeftsstelle@vcd-nord.de

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