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Veloroute 7

Neuplanung Abschnitt Steindamm zwischen Kreuzweg und Lohmühlenstraße

Stadtautobahn statt breiter Radwege?

Raus aus dem Auto, rauf aufs Rad: Bis 2030 soll der Hamburger Radverkehr entsprechend politischer Beschlusslage weiter wachsen, von derzeit 15 % auf mindestens 25 %. Der private Autoverkehr der Stadt müsste aber um 60 % schrumpfen. Nur so ließen die Pariser Klimaziele einzuhalten. Damit die Umverteilung vom Auto aufs Rad funktioniert, baut Hamburg gerade intensiv am Netz aus 14 Velorouten. Zwölf dieser bezirksübergreifenden Radwege verlaufen vom Zentrum bis zum Stadtrand, zwei davon ringförmig. Der erste Blick auf die Neuplanung der Veloroute 7 über den Steindamm lässt stark zweifeln, ob die Rechnung aufgeht. Wie ernst meint es Hamburg, die Autos aus der Innenstadt zu drängen, wenn es auf dem Steindamm mit seiner Nähe zum Hauptbahnhof nach wie vor vier Spuren für sie gibt? „Die Planungen am Steindamm sind nicht geeignet um den Anteil des Radverkehrs deutlich zu erhöhen“, mahnt Alexander Montana, Vorstandsmitglied des VCD Nord.

Nach der Neuplanung des LSBG (Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer) werden die Autospuren zwar bald durch eine Baumreihe mittig getrennt, den Radfahrern bleibt jedoch nur ein zwei Meter schmaler Streifen in Mindestbreite am Rand der Fahrbahn. „Im Gegensatz zum jetzigen Zustand sind nur kleine Verbesserungen geplant. Dem Ziel des Senats, Hamburg zur Fahrradstadt zu machen, wird die Planung in keinster Weise gerecht“, sagt Alexander Montana. Komfortables, schnelles und sicheres Nebeneinanderradeln wie in Kopenhagen oder Amsterdam wird hier nicht möglich sein. Aus Sicht des VCD lässt die vorliegende Planung viele Dinge vermissen, die andernorts selbstverständlich sind. So fehlen Schutzelemente zur PKW-Spur und die farbliche Einfärbung des neuen Radwegs wie z.B. in Berlin komplett. „Nur weiße Striche auf der Fahrbahn schaffen keinen attraktiven Radweg“; mahnt Montana. Probleme werden auch die Park- und Lieferzonen bereiten. „Nach der derzeitigen Planung sind trotz der Trennstreifen zur Radspur Konflikte zwischen Lieferanten und Radfahrern programmiert“, so Montana.

Der Hamburger Straßenquerschnitt der Zukunft jedenfalls sieht anders aus. Denn um die Wende im Verkehr zu schaffen, muss JETZT Platz fürs Rad eingeplant werden.

Nach Vorstellung des VCD Nord wäre es daher nur folgerichtig den Autoverkehr am Steindamm auf eine Spur pro Richtung zu reduzieren. Die Fahrradspuren müssten hingegen mindestens 3,00 m breit mit eigenen Bordsteinen direkt neben dem Gehweg platziert sein. Weniger Pkw-Stellplätze im Kreuzungsbereich würden dabei die Sichtbarkeit auf die abbiegenden Radfahrer für Autofahrer erhöhen. Die hier gewonnenen Flächen könnte man begrünen.

Außerdem fehlen im Entwurf der Behörde zusätzliche Querwege für Fußgänger; diese sind lediglich an den Kreuzungen vorgesehen. Bei einer nur zweispurigen Verkehrsführung der Autos könnten zusätzliche Fußgängerquerungen besser realisiert werden. Stellplätze an einer Geschäftsstraße wie dieser sollten ebenfalls nicht als Dauerparkplätze vorgehalten werden. Als Lichtblick bleibt die Option, die äußeren Autospuren in Radspuren umwidmen zu können - falls es Hamburg mit der Verkehrswende doch noch ernst meint.

Text: Thomas Heiser/Frederik Meißner

Viel Platz für Autos, statt Verkehrsführung mit Zukunft. Die Veloroute 7 am Abschnitt Steindamm mit neuer Mittelbaumreihe ab 2021: Der Autoverkehr bleibt vierspurig, der Radverkehr schmal am Rand.

 

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