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VCD Hamburg beginnt das Jahr mit einem intensiven Austausch zu E-Bussen

Am 17. Januar widmete sich die Junge Ortsgruppe Hamburg ihrem ersten digitalen Abend dem Thema „Elektrifizierung des Busverkehrs“. Die geladenen Experten verdeutlichten die Herausforderungen und Hürden auf dem Weg zu vollelektrischen Busverkehren.

 

2020 hat der Hamburger Senat entschieden, nur noch emissionsfreie Busse für den HVV beschaffen zu lassen und eine klimafreundliche Umstellung der gesamten Flotte auf E-Busse bis 2030 durchzuführen. Zurzeit sind jedoch gerade mal 140 von über 1.700 Bussen bei Hochbahn und VHH elektrisch. Zeit also, die Elektrifizierungsbemühungen des Hamburger Senats stärker in den Mittelpunkt zu rücken, schließlich hängt hiervon auch im großen Maße der Erfolg der Verkehrsziele im Hamburger Klimaplan ab. Auch die junge Ortsgruppe Hamburg möchte dieses Thema in diesem Jahr intensiver behandeln. Eingeladen waren zwei ausgewiesene Experten für den Input. Mina Eskander von der Helmut-Schmidt-Universität gab einen Einblick in die aktuelle Forschung zur Ladeinfrastruktur für Elektrobusse in Hamburg, der ergänzt wurde von Richard Kayser von der Technischen Universität Dresden mit einer Einführung in das System „Hybrid-Oberleitungs-Bus“ (HO-Bus).

Nach den Inputvorträgen blieb ausreichend Zeit für den Austausch mit den gut 30 interessierten Teilnehmer*innen. So konnte an dem Abend ein aktueller und praktischer Blick in die derzeitige Umstellung des Busverkehrs in Hamburg gegeben und zugleich verdeutlicht werden, wie andere Städte, wie bspw. Marburg, die Herausforderung der Umstellung auf emissionsfreie Fahrzeuge bewerkstelligen. Im Anschluss an die Vorträge konnten alle Interessierten Fragen an die Experten stellen.

In Hamburg ist alles auf den Betriebshof ausgerichtet

Herr Eskander stellte in seinem Vortrag den aktuellen Stand der Forschung im Bereich Ladeinfrastruktur und Lademanagement in Hamburg vor. Hierbei gab er auch Einblicke in die derzeitige Elektrifizierungsstrategie der beiden größten Hamburger Busbetreiber Hochbahn und VHH. Besonders erscheint, das in der Hansestadt alle Busse ausschließlich auf den Busbetriebshöfen geladen werden sollen. Ein „Gelegenheitsladen“ zum Beispiel an Linienendpunkten an Strommasten ist in Hamburg demnach nicht mehr vorgesehen. Aufgrund der aktuellen Analyse der Forscher an der Helmut-Schmidt-Universität wird jedoch ein unterbrechendes Laden, also nicht das stete vollladen der Batteriebusse vorgeschlagen, um Lastspitzen zu reduzieren. Die größten Herausforderungen sind Eskander zu Folge, die begrenzende Stromversorgung an den aktuellen Betriebshöfen und Lieferschwierigkeiten bei E-Bussen, die einen Ausbau der E-Bus-Flotte begrenzen. Demnach kann es als eine herausfordernde Aufgabe gesehen werden, die Elektrifizierungsziele zu erfüllen.

HO-BUS-System – Aufladung über Oberleitung

Herr Kayser stellte in seinem Vortrag eine Alternative, das neue System „HO-Bus“ vor. Hierbei handelt es sich um einen Oberleitungsbus, der ebenfalls mit einem Akkumulator ausgestattet ist und somit Strecken emissionsfrei ohne Oberleitung bedienen kann. Eine Aufladung der E-Busse kann dann im laufenden Betrieb über die Oberleitung abgewickelt werden. Der Oberleitungsanteil der Strecke sollte mindestens 40 bis 50 % betragen. Gute Grundvoraussetzung für die Einführung eines solchen Systems sind eine hohe Auslastung von Strecken, auf denen idealerweise mehrere Linien gebündelt werden. Eine Voraussetzung, die in Hamburg vor allem auf den Metrobusstrecken häufig als gegeben angesehen werden kann. Die größten Herausforderungen bei der Einführung sind die hohen Kosten bei der Implementierung, auch wenn die dann geschaffene Infrastruktur langfristig nutzbar ist. Außerdem stehe das System immer auch in Konkurrenz zur Einführung eines Stadtbahnsystems. Dennoch haben sich mehrere Städte, unter anderem Berlin, für die Einführung eingesetzt.

In Hamburg fehlt es an öffentlicher Diskussion bei der Bus-Systemfrage

In der folgenden Diskussionsrunde wurde darüber gesprochen, ob ein HO-Bus-System in Hamburg tatsächlich zum Einsatz kommen könnte. Herr Eskander bezweifelte, dass im Hinblick auf die Senatspolitik und der öffentlichen Meinung eine Einführung möglich wäre, wobei sich die Teilnehmer:innen des Abends einig waren, dass das System nicht bekannt genug ist und ein öffentlicher Diskurs erst angestoßen werden müsse. Ein weiterer Punkt ist die mögliche Nutzung von Oberleitungsinfrastruktur als Mittelspannungsnetz für weitere Infrastruktur, wie zum Beispiel Schnellladesäulen für E-Mobilität. Hier wies Herr Kayser auf die rechtlichen Hürden hin, dass derartige netzseitige Verknüpfungen in Deutschland rechtlich nicht gestattet sind. Hier sieht die junge Ortsgruppe Hamburg dringen Handlungsbedarf.

Sei auch du beim nächsten Mal dabei und diskutiere mit. Wir treffen uns jeden 1. Und 3. Montag im Monat. Weitere Infos bei „Get in touch“ hier auf unserer Website.

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