Nord

ÖPNV Tarife

Neues HVV-Tarifkonzept

Erst vor wenigen Wochen wurden die Fahrpreise des Hamburger Verkehrsverbundes (HVV) erhöht,  die Diskussionen über günstige Abos für Bus und Bahn halten jedoch an. In diesem Zusammenhang wird immer wieder das 365-Euro-Jahresticket nach dem Wiener Modell genannt. Wien hat 2012 die Preise für ein Jahresabo um etwa 20 Prozent auf 365 Euro reduziert. In der Folge sind laut Angaben der Wiener Verkehrsbetriebe die Fahrgastzahlen angestiegen und die Einnahmen haben sich signifikant erhöht, da Gelegenheitsnutzer auf die Jahreskarte umgestiegen sind und nun öfters den ÖPNV nutzen. Dieses erfolgreiche Modell möchte der Verkehrsclub Deutschland, Landesverband Nord (VCD) nun auch auf den HVV übertragen.

Ein 365-Euro-Jahresticket hält der VCD für Schüler, Auszubildende und Senioren für realistisch. Für Berufstätige hat der VCD ein umlagefinanziertes Jobticket konzipiert. Diese Fahrkarten könnten an Arbeitnehmer besonders günstig ausgegeben werden, wenn der Arbeitgeber freiwillig für jeden Arbeitnehmer – unabhängig von der Abnahme eines Jobtickets – einen Solidarbeitrag leistet. Abgeschaut hat sich der Verband dieses Konzept bei den Semestertickets, die oft ähnlich geregelt sind. Da Jobtickets seit Anfang 2019 grundsätzlich steuer- und sozialversicherungsfrei sind, ist ein solches Angebot für Arbeitnehmer nicht weniger interessant als ein 365-Euro-Ticket. Ein umlagefinanziertes Jobticket sichert jedoch im Gegensatz die Einnahmen des HVV. Nach Vorstellungen des VCD soll das neue Jobticket auch kleinen Betrieben offen stehen und von denen online bestellt werden können.

Welche Ideen hat der VCD noch?

Für Schüler nach Schulschluss und Arbeitnehmer nach Feierabend schlägt der Verkehrsclub spezielle Freizeit-Abos vor, damit Busse und Bahnen außerhalb der Hauptverkehrszeiten noch besser ausgelastet werden. Die Preise für reguläre Abos will der VCD um 10 bis 20 Prozent senken. Ein Abo für das Hamburger Stadtgebiet würde somit 75 Euro monatlich kosten. Ferner regt der Verband die Vereinfachung von Kurzstrecken-Fahrscheinen an und bringt darüber hinaus einen Einheitspreis von Einzelkarten für das Stadtgebiet Hamburg ins Gespräch. Somit könnte der sogenannte Tarif für den  Nahbereich in ganz Hamburg gelten und erst bei Fahrten in die Nachbargemeinden würde der Tarif für den Großbereich fällig. Die Tageskarten sollten zu einem 24-Std.-Ticket zusammen gefasst werden, das sowohl für Einheimische als auch für Touristen ein attraktives Tarifangebot darstellt. Für Übernachtungsgäste soll es in teilnehmenden Hotels umlagefinanzierte „Hamburg-Cards“ geben, die 48 und 72 Stunden gültig sind. Die sogenannten HVV-Kombitickets „Eintrittskarte=Fahrkarte“ sollten nach den Vorstellungen des VCD für alle größeren Veranstaltungen verpflichtend werden – insbesondere wenn es am Veranstaltungsort nicht ausreichend Parkraum gibt. Die vorgestellten Tarifideen könnte die Hamburger Politik für das Stadtgebiet noch zum 01.01.2020, und damit einige Wochen vor den kommenden Bürgerschaftswahlen, umsetzen.

Innovativer Fahrscheinverkauf

Auch zum Thema Vertrieb und Fahrscheinkontrollen hat der Fahrgastverband sich Gedanken gemacht. Die Sichtkontrolle, also das Vorzeigen der Fahrscheine im Busverkehr, sollte auf Metrobuslinien mit Gelenkbussen tagsüber wieder abgeschafft werden. Für diese Fahrzeuge fordert der VCD die Einführung von mobilen Automaten, die Münzen, EC- und Kreditkarten akzeptieren. Zur Beschleunigung des Busverkehrs würde der Fahrscheinverkauf beim Fahrpersonal in den Gelenkbussen entfallen.

Vorstandsmitglied Alexander Montana vom VCD Landesverband Nord zeigt sich überzeugt, dass die   Einnahmeausfälle durch die zusätzlichen Kunden und deren Einnahmen ausgeglichen werden können. „Die Einführung eines umlagefinanzierten Jobtickets kann für Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Verkehrsunternehmen gleichermaßen ein Gewinn sein“ so Montana. „Die Handelskammer Hamburg und Arbeitgeberverbände sollten gerade im Hinblick auf den Fachkräftemangel das Thema vergünstigte Jobtickets aufgreifen und dieses an die Politik herantragen“.

Was viele Hamburger nicht wissen, Olaf Scholz hat 2011 den Betriebskostenzuschuss der Stadt an den HVV eingefroren. Von den zusätzlichen Steuereinnahmen – auch durch den Bevölkerungszuwachs – hat der ÖPNV also nichts abbekommen. Aus Sicht des ökologischen Verkehrsclubs ist hier ohnehin eine Korrektur geboten. Seine Ideen hat der VCD der SPD und dem HVV vorgestellt und freut sich nun auf die öffentliche Diskussion.