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Junge Ortsgruppe Hamburg
Die Junge Ortsgruppe des VCD Nord in Hamburg, die sich unter dem Motto „Tramburg“ für eine moderne Niederflur-Tram in Hamburg einsetzt, begrüßt die durch die Linksfraktion angestoßene Debatte zur Einführung einer Straßenbahn. Der konkrete Verschlag als Ersatz für weite Teile der U5 wird allerdings kritisch gesehen.
Die Ergänzung des öffentlichen Mobilitätsangebots durch eine moderne Tram fordert auch die Junge Ortsgruppe des VCD Nord in Hamburg (JOG), um beispielsweise überlastete Buslinien zu ersetzen, wo U- oder S-Bahn nicht wirtschaftlich sind. Der Bedarf eines modernen Straßenbahnsystems für Hamburg wird dabei unabhängig von der Diskussion über die U5 gesehen.
Ein weitgehender Ersatz der U5 ist nach Ansicht der JOG aufgrund der weit vorangeschrittenen Planungen nicht zielführend. Außerdem sieht die JOG auch Vorteile des Baus der U5 durch ihre hohe Kapazität und Reisegeschwindigkeit. Unabhängig davon scheint der Vorschlag einer Verknüpfung der U5 mit der U2/U4 und der U3 die Kapazität des bestehenden U-Bahn-Netzes zu sprengen.
Kapazitätsgrenze der U2/U4 und U3
Im genannten Konzept der Linksfraktion wird unter dem Titel „U5neo“ vorgeschlagen, die U5 zwischen den Haltestellen Borgweg bzw. Saarlandstraße und Hagenbecks Tierpark über die vorhandenen Strecken der U2/U4 und U3 zu führen. Aus Sicht des VCD Nord würde diese Linienführung die Kapazität der Strecken von U2/U4 und U3 deutlich überlasten.
Dies gilt selbst dann, wenn die genannten Abschnitte der U2/U4 und U3 perspektivisch mit der neuen Zugsicherungstechnik „U-Bahn100“ ausgerüstet werden. Diese ermöglicht neben mehr Zügen auch einen teilautomatischen Betrieb der Stufe „GoA2“. Konkret ist die Technik bisher zwar nur für die U2/U4 und auch nur bis zur Haltestelle Christuskirche geplant. Eine Ausweitung auf weitere Teile der U2/U4 und die U3 erscheint allerdings sinnvoll.
Diese leistungsfähigere Zugsicherungstechnik bereits vorausgesetzt, können auf ausgerüsteten Strecken bis zu sechs Züge in zehn Minuten verkehren (alle 100 Sekunden eine U-Bahn). Diese sechs Züge müssten im Falle der Führung der U5 über die bestehenden Strecken zwischen Berliner Tor und Hagenbecks Tierpark auf U2, U4 und U5 aufgeteilt werden, was je Linie nur einen rechnerischen 5- Minuten-Takt ermöglicht. Die gemeinsam mit der U2 und U4 genutzte Strecke wäre somit an der Kapazitätsgrenze und würde keine weitere Taktverdichtung auf U2, U4 oder U5 zulassen, ohne den Takt einer jeweils anderen Linie auf 10 Minuten zu reduzieren.
Zudem kritisiert die JOG den methodischen Fokus der Studie. Die alleinige Argumentation gegen die U5 nur mit einer Fahrgastzahlenerhebung ist unzureichend. In der Verkehrsplanung ist es gängig, Verkehrsströme mit Verkehrsmodellen anhand von Quelle-Ziel-Matrizen zu untersuchen. Reine Fahrgastzahlenerhebungen können komplexe Verkehrsströme nicht darstellen. Ein potenzieller Nutzen des U-Bahn-Ausbaus bleibt durch die Methodik der Studie verborgen.
Ergänzendes Tramnetz, wo U- und S-Bahn nicht möglich sind
Die vorgeschlagene Ergänzung des Schnellbahnnetzes durch eine moderne Niederflur-Tram wird jedoch auch vom VCD Nord als sinnvoll und notwendig angesehen. „Eine Tram muss dabei die Lücke zwischen Schnellbahn und Bus füllen. Sie eignet sich genau dort, wo der Bau von U- oder S-Bahn aufgrund des zu geringen Fahrgastpotenzials ohnehin nicht wirtschaftlich ist und Busse überlastet sind“, erklärt Jens Rathke von der JOG Hamburg.
Für diese Ergänzung gibt es verschiedene mögliche Beispiele: Die Anbindung von Großwohnsiedlungen wie Kirchdorf Süd, Zubringerlinien zum Schnellbahnnetz sowie diverse Tangentialverbindungen außerhalb der Innenstadt, beispielsweise zwischen Altona und Eppendorf. Die Verlagerung von Straßenverkehr auf die Tram durch ihre höhere Attraktivität kommt nicht nur den ÖPNV-Fahrgästen, sondern auch dem Auto- und Wirtschaftsverkehr zugute. Fahren weniger Menschen mit dem privaten Pkw, reduziert dies Staus, Unfälle und Parkplatzsuche für den verbleibenden Straßenverkehr.
Die Junge Ortsgruppe Hamburg des VCD Nord ruft daher den Senat dazu auf, parallel zum weiteren U-Bahn-Ausbau Untersuchungen für ein modernes Tramnetz in Hamburg in die Wege zu leiten.
Über die JOG Hamburg Die Junge Ortsgruppe (JOG)
Hamburg ist Teil des ökologischen Verkehrsclubs VCD Nord e.V. und engagiert sich für eine zukunftsfähige Mobilität junger Menschen. Der VCD Nord e. V. vertritt rund 3.300 Mitglieder in Hamburg und Schleswig-Holstein und steht für klimafreundliche, sichere Mobilität für alle.
Weitere Informationen
• Veröffentlichung der Linksfraktion zur U5:
https://www.linksfraktion-hamburg.de/studiezeigt-stadtbahn-billiger-und-besser-als-neubau-der-u5/
• Untersuchung der Auswirkungen einer Straßenbahn auf die ÖPNV-Nutzung:
https://doi.org/10.1016/j.tranpol.2026.104004
Kontakt für Rückfragen:
Junge Ortsgruppe Hamburg (JOG)
Sprecher: Noah Hancke
E-Mail: jog-hamburg@vcd-nord.de
Bild:
Moderne Niederflur-Tram in Paris | © Noah Hancke