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Pressemitteilung
Ortsgruppe Kiel
Anlässlich der Vorstellung eines sogenannten Mobilitätskonzeptes des OB-Kandidaten Gerrit Derkowski am vergangenen Samstag zeigen sich der ökologische Verkehrsclub VCD und der Fahrradclub ADFC überrascht und enttäuscht.
Dazu stellt Frederik Meißner, Sprecher des VCD Kiel, fest: "Gerrit Derkowski hatte sein Mobilitätskonzept als Alternative zur weit fortgeschrittenen Stadtbahn-Planung angekündigt. Außer teilweise auf vorhandene Konzepte zurückzugreifen, werden jedoch keine Lösungen für die tatsächlichen Verkehrsprobleme in Kiel präsentiert."
"Während die Stadtbahn die innerstädtischen Verkehrsprobleme durch eine massive Kapazitätssteigerung (eine Stadtbahn ersetzt drei Gelenkbusse) lösen kann, liefern weder die S-Bahn Kiel noch die vorgestellten Expressbuslininien zur Verbindung der äußeren Stadtteile eine adäquate Antwort auf überfüllte Busse zu den Universitäten oder zwischen Gaarden, Mettenhof und der Wik", so Meißner. "Mehr Busse und Fähren würden zudem einen erhöhten Personalbedarf bedeuten - Personal welchen in den Bussen und auf dem Wasser bereits heute fehlt. Der Verweis des Kandidaten auf autonomes Fahren in der Zukunft ist dabei wenig seriös."
Das Konzept der S-Bahn Kiel fand sich bereits lange vor Derkowskis Kandidatur im landesweiten Nahverkehrsplan und steht nicht in Konkurrenz zur Stadtbahn sondern ist als Ergänzung zu einem leistungsfähigen, innerstädtischen ÖPNV gedacht. Gleise der Industrie- und Hafenbahnen nutzen zu wollen, ohne eine Lösung für die dort stattfindenden Wirtschaftsverkehre zu haben, zeugen nicht von einer durchdachten Ergänzung des S-Bahn-Konzepts und lassen an der Wirtschaftskompetenz des Kandidaten zweifeln.
Auch zur Finanzierung verhält sich der Kandidat bedeckt. Während Investitionen in die Stadtbahn zu 90 Prozent von Bund und Land gefördert werden können, ist der Busverkehr eine rein städtische Aufgabe. Die Gelder, die für die Stadtbahn zur Verfügung stehen können, dürften nicht einfach für autonome Fähren ausgegeben werden. Insgesamt könnten die Ideen des Kandidaten Derkowski für die Stadt Kiel sogar teurer sein, als die bereits kalkulierte Finanzierung der Stadtbahn.
Für den ADFC ergänzt Jan Voß: "Radfahren ist in Kiel die entspannteste Verkehrsart. Aber nur mit guten Radwegen, sicheren Kreuzungsbereichen in allen Stadtteilen und mehr Tempo 30 für mehr Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer*innen.
Sich hier nur auf Premiumangebote auf dem Niveau einer Veloroute 10 zu versteifen, klammert die Realität in Kiel aus.
Auch haben die Landeshauptstadt und die KielRegion seit Jahren fachlich fundierte "Masterpläne" zur Entwicklung guter Angebote der nachhaltigen Mobilität, auch mit dem Fahrrad. Diese wurden mit breiter Beteiligung und Zustimmung von Politik und Öffentlichkeit erstellt und beschlossen.
Statt alternativer Küchentisch-Forderungen, die schon aufgrund fehlender Flächen nicht realisierbar sind, müssen die beschlossenen Pläne jetzt endlich konsequent und zügig umgesetzt werden!"
Die Stadt Kiel hat in den letzten Jahren mit Planungswerkstätten und Trassenspaziergängen die Planung der Stadtbahn kooperativ miteinander vorangebracht und ist auf die Anliegen vor Ort eingegangen. "Die zielgerichtete und aufwändige Stadtbahnplanung für unausgereifte Ideen und Konzeptzeichnungen über Bord zu werfen halten wir für gefährlich", so der VCD Sprecher abschließend.