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Die Junge Ortsgruppe Hamburg des VCD Nord kritisiert die Planung des LSBG für das Ostufer der Alster als unzureichend. Obwohl es sich um Hamburgs meistgenutzte Radstrecke handelt, bleiben alle vier Kfz-Fahrspuren erhalten. Chancen für mehr Aufenthaltsqualität und klimafreundliche Mobilität werden damit vergeben.
Am Mittwoch hat der Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) im Ausschuss für Verkehr und Mobilität der Bezirksversammlung Hamburg-Mitte die Entwürfe für den Lückenschluss an der Alster zwischen Kennedybrücke und Lohmühlenstraße vorgestellt.
Besonders deutlich wird das Missverhältnis bei einem Blick auf die geplanten Gehwegbreiten: Teilweise sind lediglich zwei Meter für den Fußverkehr vorgesehen, während die angrenzenden Flächen für den Kfz-Verkehr rund 15 Meter einnehmen. Das wirft die Frage auf, welchen Stellenwert der Fußverkehr in der Planung tatsächlich einnimmt.
Angesichts der Notwendigkeit weitreichender Veränderungen in Hamburgs Mobilität ist das deutlich zu wenig. Der Verkehrssektor ist weiterhin für einen erheblichen Teil von Hamburgs CO?-Emissionen verantwortlich. Um bis 2040 klimaneutral zu werden und sich zudem als attraktive und lebenswerte Metropole weiterzuentwickeln, muss Hamburg den Autoverkehr reduzieren und stattdessen den ÖPNV sowie den Fuß- und Radverkehr fördern. Um eine echte Mobilitätswende zu ermöglichen, bedarf es einer Umverteilung der verfügbaren Flächen vom Autoverkehr zum Fuß- und Radverkehr. Davon ist in der Planung des LSBG jedoch wenig zu sehen.
Dabei verfolgt Hamburg seit Jahren das erklärte Ziel, Fahrradstadt zu werden. Mit der vorliegenden Planung wird dieser Anspruch gerade an einem der wichtigsten Abschnitte des Hamburger Radverkehrsnetzes verwässert. Auch die 2025 beschlossene Fußverkehrsstrategie soll dem Fußverkehr bei Planungsprozessen und Straßenumbauten einen höheren Stellenwert einräumen. Wenn selbst an einem derart stark frequentierten Abschnitt an der Außenalster weiterhin Gehwege von teilweise nur zwei Metern Breite vorgesehen werden, während dem Kfz-Verkehr ein Vielfaches dieser Fläche zur Verfügung steht, stellt sich die Frage, wie ernst die Stadt ihre eigenen Ziele tatsächlich nimmt.
Mit der Umsetzung der vorliegenden Planung würde der heutige Zustand zudem auf Jahre festgeschrieben. Der hohe Versiegelungsgrad sowie die Abgas- und Lärmbelastung durch den Kfz-Verkehr blieben weitgehend bestehen. Statt den Straßenraum grundlegend neu zu denken und die Mobilität der Zukunft vorzubereiten, wird damit die Chance vergeben, bestehende Verhältnisse dauerhaft zu verändern.
Besonders schwer wiegt die geringe Ambition der Planung aufgrund der hohen Bedeutung des Abschnitts an der Alster, der insbesondere bei schönem Wetter unzählige Menschen anzieht. Neben einem stark genutzten Spazierweg handelt es sich um Hamburgs meistfrequentierten Radweg mit bis zu 12.000 Radfahrenden am Tag. Gerade an einem solchen Ort sollten die Bedürfnisse des Fuß- und Radverkehrs an erster Stelle stehen.
Mit nur geringfügigen Änderungen und ohne echte Flächenumverteilung wird es kaum gelingen, das derzeit vorherrschende Gedränge auf den Fuß- und Radwegen langfristig zu entzerren. Auch mit einem etwas breiteren Radweg werden sich noch viele Radfahrende und Zufußgehende in die Quere kommen. Wo Begegnung und Aufenthaltsqualität im Vordergrund stehen sollten, wird es mit der Planung des LSBG weiterhin viele Konflikte geben.
Statt vom Status quo aus zu denken, könnte man der Planung auch einen gewünschten Zielzustand zugrundelegen. Würden nämlich die Bedürfnisse des Fuß- und Radverkehrs den Ausgangspunkt darstellen, käme man sehr schnell zu dem Schluss, dass vier Fahrspuren für den Kfz-Verkehr nicht mehr haltbar sind. Das würde jedoch bedeuten, dass man den Straßenraum ganzheitlich neu denken müsste. Ein solcher Planungsansatz würde den Bereich vom westlichen Alsterufer über die Kennedybrücke und das Ferdinandstor bis zur Hohenfelder Bucht in den Blick nehmen und die verfügbaren Flächen in einem Gesamtkonzept neu zuteilen.
Insbesondere die großflächige Kreuzung am Ferdinandstor bleibt von der Planung gänzlich unberührt. Mit ihren zahlreichen ineinander verflochtenen Fahrbahnen beansprucht sie enorme Flächen. Für ihre Anlage wurden in den 1950er-Jahren sogar Teile der Außenalster zugeschüttet. Eine grundlegende Neuordnung dieses Bereichs hätte erhebliches Potenzial geboten, Flächen für Grünanlagen sowie großzügige Geh- und Radwege zurückzugewinnen.
„Andere europäische Städte zeigen, dass Uferstraßen nicht dem Autoverkehr vorbehalten bleiben müssen. Paris hat eine Schnellstraße an der Seine in eine Promenade verwandelt. Davon sollte Hamburg sich inspirieren lassen“, sagen Hanno Rönnfeld und Noah Hancke aus der Jungen Ortsgruppe Hamburg des VCD Nord.
Die Junge Ortsgruppe fordert die Politik und den LSBG auf, Planungsvarianten zu erarbeiten, die eine Reduktion der Kfz-Spuren vorsehen und die dadurch gewonnenen Flächen für eine klare Entflechtung von Fuß- und Radverkehr nutzen.
Über die JOG Hamburg
Die Junge Ortsgruppe Hamburg (JOG) ist Teil des ökologischen Verkehrsclubs VCD Nord e.V. und engagiert sich für eine zukunftsfähige Mobilität junger Menschen. Der VCD Nord e.V. vertritt rund 3.300 Mitglieder in Hamburg und Schleswig-Holstein und steht für klimafreundliche, sichere Mobilität für alle.
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Junge Ortsgruppe Hamburg (JOG)
Sprecher: Noah Hancke
E-Mail: jog-hamburg@
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