Nord,
Bahn & Bus,
Mobilität auf dem Land,
Pressemitteilung
Verstärkt erreichen Beschwerden die Fahrgastverbände, dass Reisende auf den letzten Fahrten des Tages stehen gelassen wurden. Davon waren besonders Linientaxen im Abendverkehr betroffen.
Daher haben der Verkehrsclub Deutschland (VCD) und der Fahrgastverband PRO BAHN am ersten Augustwochenende die Angebote im Kreis Dithmarschen und im Kreis Steinburg stichprobenartig getestet, welche beispielhaft für die Situation im ganzen Bundesland ist. Diese Tests werden fortgesetzt.
In zwei Fällen war es den Testenden nicht möglich, mit der letzten Fahrt des Tages wieder nach Hause zu kommen: So war der Rufbus von Meldorf nach Brunsbüttel um 22:42 Uhr mit sechs Personen bereits voll besetzt, der potentielle Fahrgast bekam 90 Minuten vor gewünschtem Fahrtbeginn eine Absage beim Versuch, die gewünschte Verbindung telefonisch zu buchen.
In einem anderen Fall wollte ein potentieller Fahrgast um 22:05 Uhr von Itzehoe nach Hohenlockstedt fahren. Der Kleinbus aber hatte lediglich eine Kapazität von acht Sitzplätzen. Von den zwölf wartenden Reisenden wurden vier stehen gelassen. Der Fahrer bot ihnen an, sie nach knapp zwei Stunden Wartezeit im Anschluss an seine Tour mit einer Extrafahrt zu befördern.
Die Testenden des VCD fanden zur selben Zeit am Bahnhof in Itzehoe zahlreiche wartende Taxen vor. Die Fahrgastverbände kritisieren den Umgang mit der aktuellen Situation deutlich.
Alexander Montana, Vorstandsmitglied des VCD Nord, fordert den Landrat das Kreises Steinburg auf, eine Rückfallebene für die geschilderte Situation zu entwickeln: „Es sind genug Taxen in Itzehoe vorhanden, sie müssen nur sinnvoll zur Deckung der tatsächlich vorhandenen Nachfrage eingesetzt werden“.
Stefan Barkleit, Vorsitzender des PRO BAHN-Landesverbandes Schleswig-Holstein/ Hamburg, meint: „Ob von der Arbeit, vom Kino oder vom Theater – entscheidend ist, dass die Aufgabenträger und Verkehrsunternehmen sicherstellen, dass die Menschen abends und nachts pünktlich und zuverlässig nach Hause kommen. Dies gilt insbesondere für junge Menschen.“
Für Dithmarschen, wo Fahrgäste sich vorab telefonisch anmelden müssen, haben die Verbände ebenfalls konkrete Vorschläge: Bei größerer Nachfrage müssen Fahrzeuge mit acht statt sechs Plätzen zum Einsatz kommen und ggf. ein zweiter Wagen zumindest die nachfragestärkste Teilstrecke mitfahren. Perspektivisch muss darüber nachgedacht werden, auch in den Abendstunden auf Linienbuse zum Einsatz zu bringen.
Um der aktuellen Problemlage begegnen und die entscheidende letzte Fahrt des Tages absichern zu können, regen die Verbände zur vorübergehenden Gegenfinanzierung die Streichung einer weniger nachgefragten Linienfahrt tagsüber an. Hier können Fahrgäste auf andere Fahrten ausweichen, was in der Nacht nicht mehr möglich ist. Grundsätzlich müssen Land und Bund die Kreise künftig mit mehr Mitteln ausstatten, um den ÖPNV zu sichern und auszubauen – auch in den Abendstunden und am Wochenende.
Kontakt für Rückfragen:
vcd-nord.de
pro-bahn-sh.de