Nord, Hamburg, Pressemitteilung

PM: Olympia-Nein beendet Tunnel-Träume. VCD Nord fordert schnelle Stadtbahn für den Hamburger Westen statt teurer S6-kurz

Nach dem Nein der Hamburger Bevölkerung zu Olympischen Spielen in Hamburg müssen Verkehrsprojekte, die wesentlich im Zusammenhang mit Olympia gedacht wurden, neu bewertet werden. Das gilt aus Sicht des VCD Nord insbesondere für die verkürzte Variante der S6 bis Bahrenfeld Trabrennbahn und dem dort bisher geplanten olympischen Dorf.

Die Anbindung von Lurup und Osdorfer Born stand bereits in der ursprünglichen Machbarkeitsuntersuchung im Zentrum der Abwägung zwischen einer Verlängerung der U5 und einer neuen S-Bahn-Linie S6. Nachdem inzwischen entschieden wurde, Lurup und Osdorfer Born über die U5 anzubinden, entfällt für die S6-West die wichtigste verkehrliche Grundlage.

Der VCD Nord hatte schon an der ursprünglichen S6-Planung kritisiert, dass sie in der Bewertung weniger Nutzen als Kosten erbracht hätte. Noch weniger tragfähig erscheint nun eine verkürzte S6, die nur bis Bahrenfeld Trabrennbahn geführt würde. Diese Variante würde ausgerechnet das größte Fahrgastpotenzial – Lurup und Osdorfer Born – nicht mehr erreichen, müsste aber weiterhin das teuerste Element enthalten: die Ausfädelung aus dem bestehenden S-Bahn-Netz.

„Eine S6-kurz wäre nach dem Olympia-Nein verkehrlich kaum noch zu begründen. Wenn der Hauptzweck der Strecke entfällt, darf man nicht an einem teuren Tunnelprojekt festhalten, das die entscheidenden Ziele nicht mehr erreicht“, sagt Jonas Spanier, Vorstandsmitglied des VCD Nord.

Zentrale Kritikpunkte sind unabhängig von Olympia

Ein zentrales Problem der S6 bleibt unabhängig von Olympia bestehen: Die geplante Linienführung hätte keine direkte Umsteigemöglichkeit zur S3 oder S1 in Richtung Altona, Landungsbrücken und Jungfernstieg geschaffen. Damit gäbe es keine direkte Umsteigemöglichkeit zum Bezirkszentrum sowie zu den aufkommensstärksten Zielen der Stadt. Zugleich würde die Strecke in nur rund 500 Metern Entfernung am neuen Fern- und Regionalbahnhof Hamburg-Altona am Diebsteich vorbeiführen, statt ihn direkt zu erschließen.

Gerade dieser neue Bahnhof bietet jedoch eine große Chance für den Hamburger Westen. Er schafft erstmals einen Halt im Westen Hamburgs für Züge vom Hamburger Hauptbahnhof nach Kiel und Flensburg. Wenn die Schienenanbindung aus Bahrenfeld, Lurup und Osdorf diesen Bahnhof nicht erreicht, bleibt diese Verbesserung für große Teile des Hamburger Westens auf dem Weg nach Schleswig-Holstein nur eingeschränkt nutzbar.

Der VCD Nord fordert deshalb, die Planung der S6-West angesichts der veränderten Rahmenbedingungen zu den Akten zu legen. Stattdessen sollte auf der Achse von der Bahrenfelder Trabrennbahn stadteinwärts eine leistungsfähige oberirdische Stadtbahnverbindung priorisiert werden.

Eine solche Stadtbahn könnte von der Trabrennbahn über die Leverkusenstraße zum neuen Fern- und Regionalbahnhof Hamburg-Altona am Diebsteich geführt werden. Dort bestünde Anschluss an die S3 in Richtung Altona, Landungsbrücken und Jungfernstieg sowie an den Regionalverkehr nach Kiel und Flensburg.

Hinter dem Bahnhof Diebsteich könnte die Stadtbahn weiter zur U2-Haltestelle Emilienstraße geführt werden. Damit entstünde nicht nur eine direkte Umsteigemöglichkeit von der Bahrenfelder Trabrennbahn zur U2. Zugleich würden Niendorf und Eimsbüttel über die U2 und diese Stadtbahnstrecke besser mit dem neuen Fernbahnhof Altona verbunden. Da dort künftig Regionalzüge nach Schleswig-Holstein halten, würde diese Verbindung auch die Erreichbarkeit Schleswig-Holsteins aus diesen Stadtteilen deutlich verbessern.

Die Stadtbahn ist ein flexibel erweiterbarer Verkehrsträger

Anders als eine verkürzte S6 wäre eine Stadtbahn zudem flexibel weiterentwickelbar. Sie könnte später über die Bahrenfelder Trabrennbahn hinaus durch die Notkestraße bis zum Elbe-Einkaufszentrum verlängert werden und damit zusätzliche Stadtteile und wichtige Ziele im Hamburger Westen erschließen.

Der VCD Nord ist überzeugt, dass eine solche Neupriorisierung ein schneller umsetzbares und zugleich zukunftsfähigeres Verkehrskonzept ermöglicht. Sie würde die Erschließung im Hamburger Westen verbessern, den neuen Fernbahnhof Altona-Diebsteich stärken und die vorhandenen Schnellbahnlinien sinnvoll miteinander verknüpfen.

„Wir brauchen jetzt keine Fortsetzung alter Olympia-Planungen unter neuen Vorzeichen, sondern einen ehrlichen Neustart für die Schienenanbindung im Hamburger Westen. Eine Stadtbahn zum neuen Fernbahnhof Diebsteich kann schneller, günstiger und verkehrlich sinnvoller sein als eine S6-kurz ohne ihr eigentliches Fahrgastpotenzial“, erklärt Jonas Spanier.

Der VCD Nord wird als Partner im Dialogforum Schiene Hamburg-Altona die Verkehrsanbindung des neuen Fern- und Regionalbahnhofs Hamburg-Altona am Diebsteich weiterhin progressiv und konstruktiv begleiten. Der Verband wird Verbesserungen aktiv einfordern und sich dafür einsetzen, dass die künftige Planungszeit für eine bessere, vernetzte und zukunftsfähige Lösung genutzt wird.

Kontakt für Rückfragen:

Jonas Spanier, Vorstandsmitglied VCD Nord 
E-Mail: jonas.spanier@vcd-nord.de

zurück