Nord, Bahn & Bus, Hamburg, Pressemitteilung

Gemeinsame Pressemitteilung von VCD Nord, PRO BAHN SH / HH und Bund der Steuerzahler Hamburg e.V.

PM: Verbände fordern raschen Ersatz der Süderelbbrücken

Die Bahnstrecke von Hamburg-Harburg ins Zentrum von Hamburg zählt zu den wichtigsten Schienenverbindungen Deutschlands. Die Brücken über die Süderelbe auf dieser Strecke sind abgängig und müssen dringend saniert werden. Trotz politisch vereinbarter Planungsbeschleunigung droht nun eine erhebliche Verzögerung des Projekts.

Hintergrund ist eine Forderung des Bundesverkehrsministeriums, die neuen Brücken bereits heute an einen künftig steigenden Meeresspiegel anzupassen und rund einen Meter höher zu bauen. Dies hätte weitreichende Folgen: Auch die angrenzenden Strecken müssten angehoben werden. Davon betroffen wären unter anderem der Bahnhof Hamburg-Harburg sowie die Signaltechnik, da sich Anfahrts- und Bremswege verändern würden.

Nach Einschätzung der beteiligten Verbände würde die Höherlegung über längere Zeit zu massiven Einschränkungen führen. Abschnitte der Strecke wären zeitweise nicht befahrbar, es drohten gravierende Engpässe und Zugausfälle mit erheblichen Auswirkungen für Pendlerinnen und Pendler.

Die drei Verbände – Verkehrsclub Deutschland (VCD), PRO BAHN und der Bund der Steuerzahler Hamburg – haben sich daher erstmalig in dieser Konstellation zusammengeschlossen, um gemeinsam auf die Folgen hinzuweisen. Sie bewerten die zusätzlichen Anforderungen aus Berlin kritisch und sehen die Nachteile deutlich überwiegen.

Die Verbände fordern das Bundesverkehrsministerium auf, bei der anstehenden Brückensanierung auf eine Höherlegung der Strecke zu verzichten, da diese keinen erkennbaren Vorteil für den Hochwasserschutz bietet.

"Für die Fahrgäste muss diese alternativlose Verbindung innerhalb der Metropolregion Hamburg jederzeit nutzbar sein", so Matthias Bölckow, Regionalverbandsvorsitzender von PRO BAHN. Der Fahrgastverband befürchtet zudem eine zeitliche Überschneidung mit Bauarbeiten an der parallel verlaufenden A 1: "Wir können es uns nicht leisten, zeitgleich an Bahnstrecken und Autobahnen größere Baustellen einzurichten. Die Pendler müssen verlässlich zur Arbeit nach Hamburg kommen." so Bölckow weiter.

Sascha Mummenhoff, Bund der Steuerzahler Hamburg e.V.: Der Ersatz der Süderelbbrücken ist überfällig und darf nicht durch Zusatzwünsche aus Berlin ausgebremst werden. Nach allem, was öffentlich bekannt ist, liegt die Kostengrößenordnung schon heute bei über einer Milliarde Euro. Zusätzliche Vorgaben zur Erhöhung der Durchfahrtshöhe würden Bauzeit und Eingriffe in die Zuführungsstrecken spürbar steigern und das Kostenrisiko um einen dreistelligen Millionenbetrag nach oben treiben. Für den Hochwasserschutz ist kein unmittelbarer Mehrwert erkennbar. In Zeiten knapper Haushalte hat Verlässlichkeit für Pendler und Wirtschaft Vorrang.“

Alexander Montana, Landesvorstandsmitglied beim VCD Nord, der die Initiative für eine beschleunigte Sanierung ohne Höherlegung der Strecke ergriffen hat, rechnet zum Ende des Jahrhunderts mit einer veränderten Binnenschifffahrt: "Die Schiffe werden wegen längerer Niedrigwasserphasen weniger Tiefgang ausgelegt sein und damit kleiner sein sowie automatisiert verkehren. Aus unserer Sicht ist damit die grundsätzlich richtige Idee der Klimaanpassung bei den Süderelbebrücken ein sehr teurer und fragwürdiger Weg."

Neben den technischen und verkehrlichen Fragen bestehen zudem Unsicherheiten bei der Finanzierung. Die Elbe in Hamburg ist eine sogenannte Delegationsstrecke und liegt damit im Zuständigkeitsbereich der Stadt Hamburg. Dies könnte Auswirkungen auf die Kostenverteilung beim Ersatz der Brücken haben; Bund und Stadt befinden sich hierzu noch in Verhandlungen.

Der VCD fordert in diesem Zusammenhang eine grundsätzliche Neuordnung der Zuständigkeiten: "Vom Hamburger Hafen und seinen Bahnstrecken profitiert ganz Deutschland. Künftig sollte der Bund für die Wasserstraßen östlich der Hafencity bzw. des Harburger Binnenhafens zuständig sein." Somit würde die Wasserstraße unterhalb der B75 bzw. der Bahnstrecken vollständig in die Verantwortung des Bundes fallen, einschließlich der Kosten für Brückensanierungen.

Ansprechpartner
VCD Nord: 
Alexander Montana, alexander.montana@vcd-nord.de  

PRO BAHN SH/HH:
Matthias Bölckow, boelckow@pro-bahn-sh.de

Bund der Steuerzahler Hamburg e.V.
Sascha Mummenhoff, mummenhoff@steuerzahler-hamburg.de

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