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Ortsgruppe Flensburg
Die Flensburger Grünen wollen, dass Regionalzüge als Straßenbahnen vom Flensburger Bahnhof Richtung Innenstadt fahren. Die NEG möchte die Bestandsstrecke reaktivieren und so Flensburg besser mit der Region verbinden. Was ist besser für Flensburg und fürs Klima?
Ein aktueller Antrag auf Vorschlag von Pelle Hansen (Grüne) sieht vor, dass eine Machbarkeitsstudie für einen straßengeführten Schienenpersonennahverkehr durchgeführt werden soll. Regionalzüge, die am Bahnhof in Flensburg auf den Bahnschienen ankommen, sollen als spezielle Zwei-System-Zügen über Straßenbahnschienen auf der Bahnhofsstraße weiter Richtung Innenstadt (ZOB) geführt werden (Flensburger Tageblatt, 30.05.2020 – mehr). Beispielhaft wird das “Karlsruher Modell” einer Stadtregionalbahn genannt.
Der genaue Wortlaut des Prüfauftrags: “Mit der Studie soll die grundsätzliche Machbarkeit einer straßengeführten Schienenpersonennahverkehrsanbindung des Bahnhofes mit dem Innenstadtbereich ZOB und über zwei mögliche ‘Schenkel’ West bis in die Nordstadt und Ost bis Mürwik geprüft werden. ... Regionale Nahverkehrsverbindungen würden als Zweisystemzüge über den heutigen Flensburger Bahnhof an weitere Stadtteile durchgebunden. Die Haltestellen des Stadtbusses entlang der Strecke dienen dabei als Umstiegshaltestellen des Umweltverbundes und entlasten dadurch verkehrlich den ZOB.” (Ratsinfosystem Flensburg. PDF-Datei - mehr)
Demgegenüber will die Norddeutsche Eisenbahngesellschaft (NEG) die Bahntrasse reaktivieren für alle Züge aus dem Umland und nach Möglichkeit in die Region und prägte dafür den Begriff „Förde-S-Bahn“. Die Gleise vom Wilhelminental bis zur Hafenspitze sollen wieder durch den Schienenpersonen-Nahverkehr (SPNV) genutzt werden. Auf der Trasse zum Hafen sind verschiedene Haltepunkte denkbar, z.B. Hannah-Arendt-Schule, Deutsches Haus, außerhalb am Campus und in Tarup.
Das Problem in Flensburg: 2017 waren hier 10.000 Aus- und sogar mehr als 22.000 Berufs-Einpendler unterwegs, die meisten mit dem Auto. Dazu kommen Studierende, Feriengäste, Einkaufsverkehr und mehr. Tendenz steigend: Der KFZ-Bestand nimmt regelmäßig zu.
Deshalb fahren in der Innenstadt erheblich mehr Autos als auf der Autobahn A7 – mit allen negativen Folgen für die Umwelt: Luftbelastung, Verkehrslärm. Unfallgefahr. (Verkehrszählung von 2016, vgl. Flensburg-mobil.net: “Verkehrsbelastung in Flensburg: Wo liegen die Probleme?” – mehr).
Ganz zu schweigen vom Klimaschutz: Hier hinkt der Verkehrsbereich schon seit Jahren erheblich hinterher. Höchste Zeit für Verbesserungen. Die beiden Initiativen sind also zu begrüßen.
Damit nachfolgende Generationen eine Zukunft haben, will der VCD weg vom Auto hin zu mehr Fuß-, Rad-, Bus- und Bahnverkehr, weg von fossilen Treibstoffen hin zur CO2-freien Mobilität – die Verkehrswende JETZT.
Deshalb gilt es sorgfältig abzuwägen: Was ist besser für die Stadt und für das Klima?
Vielleicht geht es auch darum, das eine zu tun und das andre nicht zu lassen.
Eine Gegenüberstellung der wichtigsten Argumente kann bei einer Bewertung hilfreich sein. In der folgenden Darstellung sind Aussagen der Grünen in den Medien und von NEG-Geschäftsführer Ingo Dewald zusammengefasst und wiedergegeben.
| Regionalzüge als Zweisystem-Züge vom Bahnhof in die Flensburger Innenstadt (Grüne) | Reaktivierung der Bahntrasse und Durchfahrt der Züge bis zum ZOB (NEG) |
|---|---|
“Wir haben dadurch die große Chance, Fahrgäste quasi Zuhause abzuholen, den bestehenden Bahnhof zu stärken, den ZOB verkehrlich zu entlasten, den Radschnellweg nach Weiche zu bauen und die Verkehrswende in Flensburg weit voranzubringen”, so wird Pelle Hansen in dem obigen Bericht des Flensburger Tageblatts zitiert. Deshalb der Antrag (Ratsinfosystem Flensburg. PDF-Datei - mehr), im Jahr 2021 eine Machbarkeitsstudie dazu durchführen zu lassen. Dabei sei auch die Verträglichkeit mit anderem Verkehr sowie der Straßenkörper in Hinblick auf eine Schienenverlegung zu prüfen. “Um das gemeinsame Interesse an der Prüfung des Modells mit seinem Verkehrspotential zu erheben, soll mit dem Land SH und der Nah.SH Kontakt diesbezüglich aufgenommen werden”, so die Zielsetzung. Laut dem Antrag wird es für “fraglich” gehalten, ob die Reaktivierung der Bahntrasse und Weiterleitung der Züge bis zum ZOB technisch möglich sei. Neu zu beschaffende Zwei-System-Züge, z.B. aus Hamburg, Kiel oder Dänemark, potenziell auch Niebüll, fahren nach dem Konzept vom Bahnhof auf Straßenbahnschienen die Bahnhofstraße hinunter und weiter zum ZOB. Geprüft werden soll auch die grundsätzlich Machbarkeit eines Ausbaus - auf der Westseite der Förde weiter zur Nordstadt und auf der Ostseite nach Mürwik. | Die Reaktivierung der Bahntrasse und die Durchfahrt der Züge zum ZOB mit möglichen Zwischenhalten ist im Landesweiten Nahverkehrsplan (LNVP) verankert. Das Bahngutachten (sma, 2015. PDF-Datei – mehr) fiel sehr positiv aus. Daher wäre das Land Schleswig-Holstein sofort bereit, das NEG-Vorhaben mit umfassender Finanzierung zu unterstützen. Die Weiterleitung der Züge zu einem Bahnhof ZOB ist technisch klar lösbar. Im „Zielfahrplan Deutschland-Takt“ des Bundesverkehrsministeriums (07.05.2019) ist der ZOB als Haltepunkt bereits integriert (PDF-Datei - mehr). Eine Umsetzung hin zu einer „Förde-S-Bahn“ kann in Stufen erfolgen. Eine Verlängerung bzw. Reaktivierung der entwidmeten Gleistrassen links und rechts des Hafens und die Weiterführung im Stadtgebiet und in die Region ist möglich und wünschenswert. Ein Neubau von Trassen abseits bestehender Strecken ist außerordentlich aufwändig, da der planerische Vorlauf um die 10-15 Jahre dauert. Das träfe auf den Innenstadt-Damm nicht zu. Bei einem positiven Entscheid der Stadt könnte - unter Berücksichtigung von Natur- und Schallschutz - voraussichtlich 2023 mit der Renovierung der Strecke und im Anschluss 2023/24 mit dem Förde-S-Bahn-Betrieb begonnen werden. |